Deutschland im Märchenwald

21. April 2021

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

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In den letzten Tagen wurden wir von Freunden und Bekannten gefragt, wie der aktuelle Stand der Pandemie sei. Manche hofften auf die Antwort, dass der Spuk bald vorbei sei. Doch diese Hoffnung konnten wir nicht geben, der Pandemie geht es hervorragend.

Die Wissenschaft arbeitet, um es zu richten, während sich die Intensivstationen bis zum Bersten füllen. Doch eines scheint der/die Einzelne nicht zu verstehen: JEDE/R ist gefragt! JEDE BÜRGERIN, JEDER BÜRGER, JEDE POLITIKERIN, JEDER POLITIKER, JEDE ARBEITGEBERIN, JEDER ARBEITGEBER, und JEDE INSTITUTION!

Aktuell läuft die Pandemie noch immer auf Hochtouren: Weltweit haben wir 143 Millionen nachgewiesene Infektionen, mit über 3 Millionen Toten. Die Dunkelziffer liegt weit höher. In Deutschland verzeichnen wir 3,2 Millionen nachgewiesene Infektionen, mit über 80000 Toten, auch hier mit einer höheren Dunkelziffer.

Die gemeldeten Infektionen hängen von den einzelnen Gesundheitsämtern ab. Seit Ostern wird bis heute nicht alles gemeldet. Aus manchen Bundesländern kamen tagelang keine Meldungen. Ein Paradebeispiel ist das Land Nordrhein-Westfalen. Damit ist unser Meldesystem Manipulationen ausgesetzt und unzuverlässig.

Das Ansteckungsrisiko ist abhängig von den einzelnen SARS-CoV-2-Mutanten. Wir wissen, dass sich die britische Mutante B.1.1.7 durchgesetzt hat, und dass sowohl die südafrikanische Mutante B.1.351 als auch die brasilianische Mutante P.1 seit Monaten im Land sind. Erst kürzlich kam noch die neue indische Variante B.1.617 in Deutschland an. Wie es in Deutschland aber mit der Verbreitung dieser Mutanten aussieht, liegt im Dunkeln, denn in Deutschland wird viel zu wenig sequenziert.

Die Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung liegen brach. Die Politik diskutiert weiter. Leider wird der vorliegende Vorschlag zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes nicht noch einmal schleunigst überarbeitet, was zwingend notwendig wäre. Stattdessen werden die ohnehin schwachen Maßnahmen noch weiter verwässert. Ganz so, als hoffte die Politik auf ein märchenhaftes Wunder, das dieses Virus ganz ohne ihr Zutun verschwinden lässt.

Die Industrie weigert sich, Verantwortung für die Gesundheit ihrer Arbeitnehmer*innen zu übernehmen und den Arbeitsschutz an die aktuelle Gefahrensituation anzupassen. Die Anzahl an Infektionen am Arbeitsplatz wird weiter steigen und das Virus so auch in den privaten Bereich getragen.

Dies läuft auf ein Ping-Pong zwischen Privatbereich und Arbeitsplatz hinaus.

Die meisten Arbeitsplätze befinden sich in Innenräumen. Arbeitnehmer*innen, die auf ihre Jobs angewiesen sind, um ihre Familien ernähren zu können, haben das Nachsehen. Das Risiko sich am Arbeitsplatz anzustecken, erhöht sich mit steigenden Infektionszahlen und mit der Verbreitung gefährlicherer Varianten. Ein zu großer Teil der deutschen Wirtschaft gefährdet so ganz bewusst ihre Mitarbeiter*innen. Niemand kann sich heute mehr damit herausreden, nichts gewusst zu haben.

In Räumen muss regelmäßig quer gelüftet werden, so dass die Raumluft komplett ausgetauscht wird. Uns kommen die Tränen, wenn wir hören, dass in deutschen Großraumbüros keine Masken getragen werden und dann einmal pro Stunde für fünf Minuten gelüftet wird. Und dies auch nur auf Anweisung von oben. JEDE/R EINZELNE ist gefragt. Wo ist der Überlebensinstinkt dieser Menschen?

Ohne Maßnahmen der Wirtschaft steigt das Risiko weiter, dass ein größerer Teil der Arbeitnehmer*innen als bisher berufsunfähig wird. Für die Industrie fallen diese Leute aus. Aufgrund des ohnehin bestehenden Fachkräftemangels wird dies die Situation der Unternehmen weiter verschärfen. Deshalb ist uns der Widerstand der Arbeitgeber*innen unerklärlich. Sie sitzen auf einer tickenden Zeitbombe. Der Bundeswirtschaftsminister aus unserem Märchenland meint, mit einer Ausgangssperre wäre es getan. So will er die großen Unternehmen vor ein paar Unannehmlichkeiten schützen. Solch festgefahrenes, kurzfristiges Denken finden wir befremdlich oder gar märchenhaft.

Wir verweisen auf unsere letzten Blog-Beiträge, die einige der hier nur angeschnittenen Themen detaillierter erörtern.

Über die Entwicklung von Mutationen: https://www.sajo-innovation.de/blog/de/ein-blick-in-die-kristallkugel/

Über Punkte der bundesweiten Notbremse, die Überarbeitung benötigen: https://www.sajo-innovation.de/blog/de/die-bundesweite-notbremse-der-regierung-in-deutschland/

Über die Übertragung des Virus in Räumen durch Aerosole: https://www.sajo-innovation.de/blog/de/raketenwissenschaft-luft-zum-atmen/

Über die mangelhafte Pandemiebekämpfung in einem Wahljahr: https://www.sajo-innovation.de/blog/de/populismus-und-pandemie-in-einer-demokratie/

Über einen gangbaren Weg aus der Pandemie: https://www.sajo-innovation.de/blog/de/strategie-2021-gegen-sars-cov-2/

Wir befinden uns nicht im Märchenland, es gibt keine Zauberei. Das Virus läuft weiter wie ein Uhrwerk. Die Wissenschaft darf den politisch verursachten Schaden beheben. Unsere Einschätzung: Das wird nicht funktionieren, vor allem fehlen ausreichend Gelder für gute Wissenschaft oder Unternehmen mit sehr guten Ideen. Das Virus verändert sich zu schnell. Es fehlt Zeit auf unserer Seite. Alle Vorteile liegen auf der Seite des Virus. Die über einen Zeitraum von zwei Monaten exponentiell gestiegenen Infektionszahlen in Indien haben zu einer neuen Mutante geführt, die sich schnell weltweit verbreitet. Das sollte eigentlich Warnung genug sein: Je größer die Zahl an Infektionen, desto mehr Gelegenheiten für neue, noch gefährlichere Varianten. Das sieht man auch am Beispiel von Brasilien, Südafrika und den USA.

Die Impfkampagne wird erst Ende des Jahres einen wirksamen Beitrag leisten, wenn ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist. In den USA und Chile kann man beobachten, was passiert, wenn nach Anlaufen einer Impfkampagne alle denken, nun wäre es ausgestanden. Beide Länder haben eine Impfquote von über 40 %. Doch die Infektionszahlen steigen in beiden Ländern weiter an. Zu frühe Lockerungen waren fatal.

Wir bedauern es, keine besseren Nachrichten zu haben. Jetzt sind die Politiker*innen gefragt, das Richtige zügig zu tun. Ein Anfang wäre bereits, nicht nur die Bevölkerung aufzurufen, sondern auch die Arbeitsplätze sicherer zu gestalten und Infektionsrisiken so gut wie möglich zu minimieren. Damit bleiben Ihnen Ihre guten Mitarbeiter*innen erhalten.

Wir wünschen allen viel Erfolg dabei und viel Glück, denn das brauchen wir jetzt!

Bis heute sind nur 20 % der deutschen Bevölkerung zumindest einmal mit einem Impfstoff in Berührung gekommen. Bis ein flächendeckender Impfschutz besteht, müssen die Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Bitte passen Sie weiterhin auf sich auf! FFP2 Masken sind ein MUSS, andere Masken reichen nicht aus, denn das Virus hat sich verändert, es wird durch Aerosole noch besser übertragen als zuvor. Und davor schützt eine OP-Maske NICHT.

Ihre Sabine Breun und Jörg Baumann

SAJO berät rund um Infektionskrankheiten. Wir wenden unser Wissen an, das wir aus der Infektionsforschung über mehr als 20 Jahre international erarbeitet haben. Wir tun, was wir können, um diese Pandemie zu bekämpfen.

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Blog post No. 169. Unser Blog erfährt eine breite Akzeptanz, was uns sehr erfreut, wir teilen gerne unser Wissen, schliesslich gehören wir weltweit zu den Besten. Einzelne Beiträge und Inhalte werden von zahlreichen anderen übernommen, auch von vielen Medien. Wir haben noch gelernt, wie man richtig zitiert, und es würde uns umgekehrt auch erfreuen. Außerdem: Bitte empfehlen Sie unseren Blog weiter – er ist ein informatives Werkzeug im Kampf gegen Pandemien.

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Von Ihren Beiträgen werden Mitarbeiter*innen bezahlt, die rund um den Blog arbeiten, Sabine und Jörg werden weiterhin pro bono arbeiten.

(Hinweis: Wir sind keine Mitglieder politischer Parteien oder Religionsgemeinschaften oder von Vereinen. Unabhängigkeit, Souveränität und Freiheit sind für uns ein wichtiges Gut, an dem wir festhalten. Wir beraten auf unserem Blog rein wissenschaftlich, ohne eigene Interessen und ohne Interessenskonflikt, also uneigennützig. Wir werden dafür nicht bezahlt.)

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